Willkommen bei "Früh-Auf"-Altena e.V. Schutzgemeinschaft für Gewässer und Fischerei
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BBU

WASSERRUNDBRIEF 2020

Hrsg.: regioWASSER e.V. - Freiburger Arbeitskreis Wasser im Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz e.V. (BBU), GreteBorgmann-Straße 10, D-79106 Freiburg. Meinungsbeiträge geben nicht in jedem Fall die Position des BBU wieder! Die Weiterverwendung der Informationen in diesem RUNDBRIEF ist bei Quellenangabe (!) erwünscht! C): Freiburger Ak Wasser im BBU

Raue Rampen sind nur die zweitbeste Lösung

 Raue Rampen sind die angesagte Methode, um ein Wehr für Fische und den Geschiebetrieb durchgängig zu machen. Bei einer rauen Rampe (eine geneigte Ebene mit grobem Steinwurf) erfolgt der Energieabbau zwar nicht auf einem Meter direkt am Wehr. Der Energieabbau, der bei einem nicht gestauten Gewässer über mehrere Kilometer erfolgen würde, wird bei einer rauen Rampe auf wenige Dutzend Meter gestaucht. Damit ergibt sich auch mit einer rauen Rampe für die oberhalb und unterhalb liegende Fließstrecke über viele Kilometer ein Verlust an Dynamik und Fließgeschwindigkeit. So lautete das Urteil von Uwe Könzen auf den 5. Rheinischen Naturschutztagen des BUND im Sept. 2019 an der Sieg. Der bundesweit gefragte Fließgewässerfachmann gestand allerdings zu, dass man in vielen Fällen zur Stabilhaltung des Wasserstands im Fließgewässer - und damit auch des Grundwasserspiegels in Flussnähe - eine Wehranlage nicht einfach abreißen könne. Gegenüber dem Aufstau durch eine Wehranlage sei die raue Rampe immerhin ein Fortschritt im Hinblick auf die Wiederherstellung der Längsdurchgängig-keit.

„Die ganze Sieg für den Wanderfisch!"

Könzen forderte von den Behörden mehr Mut zum Abriss der Wehranlagen von Wasserkraftwerken insbesondere dann, wenn die Kosten für Ertüchtigung der Anlage in keinem vernünftigen Verhältnis zum- geringen Stromer-trag stehen würden. Es sei ein Manko, dass in vielen Behörden und Ministerien bei der

Fließgewässerrenaturierung strategische Überlegungen zu kurz kommen würden. Klug wäre es, wenn zwischen den Flüssen und dem Zustand der dortigen Wasserkraftanlagen differenziert würde, um dann die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Strategisch sei es sinnvoll, die Sieg auf der ganzen Länge für den Wanderfisch zu reservieren. Die Sieg müsste wie zu historischen Zeiten wieder zum besten Lachsfluss in NRW gemacht werden. An desolaten Wasserkraftanlagen in der Sieg herumzudoktern, zeuge nicht von einem kohärenten Vorgehen. Uri Lachs & Co. tatsächlich eine Chance zu geben, müssten diese Anlagen einfach weg. Würde man sich demgegenüber die Ruhr betrachten, sei erkennbar dass dort zahlreiche Wasserkraftanlagen vergleichsweise effizient arbeiten. Deshalb könne man an der Ruhr der Wasserkraft Bestandsschutz zuerkennen. An der Ruhr sollte man sich damit begnügen, die Wasserkraftanlagen mit Fischpässen zu versehen.

Mit der FFH-Verträglichkeitsprüfung alte Rechte zu Fall bringen?

Hingewiesen wurde auf den 5. Rheinischen. Naturschutztagen, dass für jeden Rück- oder Umbau einer Wasserkraftanlage in einem EU-konformen Fauna-Flora-Habitat-Schutzgebiet eine FFH-Verträglichkeitsprüfung erfolgen müsse. Der Forderung eines BUND-Vertreters, die FFH_ Managementpläne zum Knacken „alter Rechte" zu nutzen, stand man auf Behördenseite eher reserviert gegenüber. Der Vorwurf des BUND: „Die FFHVerträglichkeitsprüfungen werden in vielen Fällen richtig schlecht gemacht. " Die Vorlagen, die die EU liefert, würden von der Verwaltung nicht genutzt. Der rheinland-pfälzische Wasserdirektor, Dr. Erwin Manz, ehemals selbst Geschäftsführer des BUNDLandesverbandes Rheinland-Pfalz, konterte die Vorwürfe mit dem Hinweis, dass „Bad Ems" doch der beste Beweis sei, dass die Verwaltung sorgfältig arbeiten würde. Gemeint war das Urteil des Oberlandesgerichts Koblenz zur Umweltverträglichkeitsprüfung im Zusammenhang mit der Reaktivierung einer Wasserkraftanlage in Bad Ems an der unteren Lahn. Das OLG hatte eine Klage des BUND gegen die Umweltverträglichkeitsprüfung als wenig stichhaltig eingestuft und ebenso wie die erste Instanz verworfen. „Bad Ems" sei inzwischen sogar zur „Messlatte" dafür avanciert, welche Gutachten in welcher Qualität ein Antragsteller für eine Kleinwasserkraftanlage vorlegen müsse.

 

Unwillige Wasserkraftbetreiber mit Geld überschütten?

BBU-WASSER-RUNDBRIEF Nr. 1154 vom 19. Jan. 2020

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Rheinland-Pfalz prüft die Möglichkeit, unwillige Wasserkraftbetreiber mit viel Geld vom Bau von Fischtreppen zu überzeugen. Dazu soll zunächst die finanzielle Leistungsfähigkeit des Wasserkraftbetreibers geprüft werden: Was kann man an Kosten für den Bau eines Fischpasses dem Betreiber zumuten? Übersteigen die prognostizierten Kosten die finanzielle Leistungsfähigkeit des Betreibers, dann wäre das Land bereit, finanziell in die Lücke zu springen. Über dieses Vorhaben informierte die rheinland-pfälzische Umweltministerin, Ulrike Höfken (Grüne), die rund 80 Teilnehmenden der 5. Rheinischen Naturschutztage des BUND in der Auermühle am Mittellauf der Sieg. Das Problem: Wenn ein Wasserkraftbetreiber seine Anlage modernisiert, kommt er ohnehin in den Genuss einer erhöhten Einspeisevergütung nach dem Erneuerbaren Energien-Gesetz (EEG). Falls der Betreiber zusätzlich durch Fördermittel des Landes unterstützt würde, käme dies einer Doppelförderung gleich. Und eine Doppelförderung ist nach dem EUWettbewerbsrecht nicht zulässig. Dies gilt dann, wenn bestimmte Schwellenwerte in der Größenordnung von 200.000 Euro überschritten werden („Deminimis-Regelung'"). Das Land sei jedoch gewillt, das zeitraubende Notifizierungsverfahren vor der EU erfolgreich durchzufechten. Auf der Fachtagung des BUND zur Renaturierung und'Durchgängigmachung der Sieg und des Rheins war die rheinlandpfälzische Umweltministerin mit dem Ansinnen, notleidenden Kleinwasserkraftbetreibern finanziell zur Seite zu springen, auf viel Widerstand gestoßen. Die finanzielle Unterstützung würde einen ökologisch unhaltbaren Zustand konservieren, so die Argumentation nicht weniger Gewässerschützerlnnen aus den Kreisen des BUND und der Angelverbände. Der Ministerin wurde ein „hasenfüßiges Verhalten" gegenüber der wortgewaltigen Lobby der Kleinwasserkraft vorgeworfen. Der rheinland-pfälzische Abteilungsleiter Wasserwirtschaft, Dr. Erwin Manz, verteidigte die geplante Förderrichtlinie u.a. mit dem Hinweis, dass die Anwendung des Ordnungsrechts an Grenzen stoßen würde. Das sei dann der Fall, wenn durch eine Anordnung der zuständigen Behörde zur Ermöglichung der Fischdurchgängigkeit der Betreiber in den Ruin getrieben würde. Das Land erwartet, dass man dann wegen Verletzung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes in dem zu erwartenden Prozess vor dem Verwaltungsgericht unterliegen würde. Und nur für diese Problemfälle, bei denen man mit dem Ordnungsrecht an unbefristeten „alten Rechten" scheitern werde, sei die neue För-

derrichtlinie vorgesehen.

Kleinwasserkraft gegen

Sonnenstrom tauschen?

Die Gewässerschützerlnnen des BUND argumentierten in der zuvor genannten Debatte damit, dass der notwendige Fischschutz und eine erhöhte Mindestwasserführung die eh prekäre Wirtschaftlichkeit von Kleinwasserkraftanlagen gänzlich ins Negative kippen lassen würden. Anstatt das Leben unwirtschaftlicher Wasserkraftanlagen mit der geplanten Förderrichtlinie künstlich zu verlängern, sei es im Hinblick für die - auch von der Umweltministerin gewünschten - Stärkung der dezentralen Stromgewinnung viel sinnvoller, mehr PV-Anlagen zu installieren. So könne man den Betreibern desolater Kleinwasserkraftanlagen ein Tauschgeschäft vorschlagen: Für Stilllegung und Abriss seiner Anlage könne man ihm auf Industriedächern eine große PVAnlage gleicher Leistungsgröße finanzieren - und dazu noch einen guten Stromspeicher. Der Abteilungsleiter Wasserwirtschaft im Mainzer Umweltministerium wandte ein, dass so ein Deal immer nur auf freiwilliger Basis erfolgen könne. Man könne keinen Wasserkraftbetreiber zu so einem Tausch zwingen. Auch dem Vorschlag, eine Abwrackprämie für Kleinwasserkraftanlagen einzuführen, stieß bei Dr. Erwin Manz nicht auf Begeisterung - denn: „Wir lösen doch jetzt schon ohnehin alte Recht ab!"

„Popelkram" oder ein wertvoller Beitrag gegen die Klimakrise?

Wer mehr über die Wasserwirtschaft in Spanien und Portugal - insbesondere die zunehmenden Dürren in die diesen beiden Ländern - wissen will, kann beim Ak Wasser, Grete-Borgmann-Str. 10, 79106 Freiburg, unsere in den 80er Jahren beginnende Materialsammlung anfordern - und zwar gg. VOREINSENDUNG von 15 e.

Angesichts der Unruhe in den Kreisen der BUNDMitglieder und der ebenfalls anwesenden Fischereiverbände mahnte der rheinland-pfälzische Wasserdirektor „zu mehr Geduld". Dr. Manz führte aus, dass wir in einer Kulturlandschaft leben würden, in der die Gewässer „seit mindestens 2000 Jahren umgestaltet" worden seien. „Das lässt sich nicht in 25 Jahren zurückdrehen!" Im Übrigen sei es so, dass er durchaus bereit sei, „guten Gewissens eine Lanze für die Kleinwasserkraft zu brechen". Zur Verteidigung der Kleinwasserkraft hatte bereits zuvor seine Chefin, die Mainzer Umweltministerin, das Wort ergriffen. Gerade in Zeiten der Klimakrise sei es absolut notwendig, die Energiewende auch mit der dezentralen Kleinwasserkraft zu stützen, so dass Plädoyer von Ulrike Höfken. Beim Publikum der Rheinischen Naturschutztage des BUND kam diese Fürsprache für die Kleinwasserkraft schlecht an: „Jeder kleine Pope/kram ist in der Klimakrise notwendig! Das ist doch Unfug", empörte sich eine Teilnehmerin. „Wei/ der ökologische Schaden in keinem Verhältnis zum geringen Stromertrag aus der Kleinwasserkraft steht." Zudem wurde der Vorwurf erhoben, dass wegen der Personalschwäche der Unteren Wasserbehörden eh niemand da sei, der die behauptete ökologische Verträglichkeit der Kleinwasserkraft kontrollieren würde: Im besten Fall sei es so, dass Geschwemmsel und anderes Treibgut die Fischtreppen verstopfen würde. Im schlimmsten Fall sei es so, dass die Wasserkraftbetreiber mit Absicht den Fischpass absperren würden - um damit noch den letzten Liter Bachwasser verstromen zu können.

Ein Dorf kämpft um sein Wasserkraftwehr

In seinem Grußwort zu den 5. Rheinischen Naturschutztagen des BUND hatte der BUNDVorsitzende, Prof. Hubert Weiger, am 14. Sept. 2019 auf die letzten Umfragen zum Umweltbewusstsein der Deutschen verwiesen. Es sei dabei zum Ausdruck gekommen, dass es ein starker Wunsch in der Bevölkerung sei, wieder naturnahe, lebendige Gewässer erleben zu können. Dass es im Einzelfall nicht so einfach ist, war am Tag zuvor anlässlich einer Exkursion am rheinland-pfälzischen Abschnitt der Sieg deutlich geworden. Besichtigt wurde eine Wehranlage, für deren Erhalt sich im Anliegerdorf per Unterschriftenliste mehr als 1000 Bürgerlnnen beim Mainzer Umweltministerium eingesetzt hatten. Das Engagement der Anwohnerlnnen war auf den ersten Blick verwunderlich. Denn während viele andere Wehranlagen zumindest als pittoresk oder romantisch bezeichnet werden können, ist die besichtigte Wehranlage einfach nur ein potthässlicher Betonwall. Aber im Dorf dominiert zum einen die Solidarität mit der alteingesessenen Müllerfamilie und zum anderen ist das Oberwasser der Wehranlage ein beliebter Badeort. Das erscheint ebenfalls wiederum verwunderlich, weil beim Niedrigwasser der Sieg aufgrund des hohen Anteils an gereinigtem Abwasser bei der Exkursion ein merklicher Abwasserduft zu verspüren war. Auch ansonsten erschien das Wasser der Sieg nicht gerade als appetitlich: Der hohe Nährstoffeintrag lässt die Sieg ziemlich veralgt aussehen.

Vom Kormoran, vom Wels und von verfaulenden Lachseiern

BBIJ-WASSER-RUNDBRIEF Nr. 1154 vom 19. Jan. 2020

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Zum Lachswiederansiedlungsprogramm am Rhein sind seit Jahren keine richtigen Erfolgsmeldungen mehr zu vermelden. Die Zahl der rückkehrenden Lachse stagniert. Ein eher rückläufiger Trend ist auch an den Rheinnebengewässern zu erkennen obwohl dort in vielen Fällen ehemals undurchgängige Wehranlagen mit Fischpässen versehen worden sind. Die 5. Rheinischen Naturschutztage des BUND beschäftigten sich deshalb mit den denkbaren Ursachen der Stagnation und der enttäuschend geringen Reproduktionskraft der Lachse im Rheineinzugsgebiet. Der Lachsexperte Dr. Jörg Schneider hält es für möglich, dass die Lachseier im SandKies-Lückensystem der Sohle der rheinischen Fließgewässer schlichtweg verfaulen. Die UrsacheWirkungs-Beziehung ist dabei mehr als komplex: So konnte an der Nister, einem Nebenfluss der unteren Sieg eine Zunahme der Eutrophierung und der Algenbestände beobachtet werden - obwohl der Nährstoffeintrag in das ehemals lachsträchtige Fließgewässer nicht zugenommen habe. Das könne mit den stetig steigenden Kormoranbeständen zusammenhängen. Die gefräßigen Vögel dezimieren nämlich bevorzugt die „Weidegänger" unter den Fischen. Die Folge: Während die Bestände der algenfressenden Großfische (wie beispielsweise der Nase) zurückgehen, lässt sich eine Zunahme der Kleinfische beobachten. Und die Kleinfische Üben wiederum einen erheblichen Fraßdruck auf die algenabweidenden Kleinkrabbeltiere aus. Weil es also immer weniger algenabweidende Großfische und Makrobenthosorganismen gibt, können sich die Algen in den Bächen zunehmend ungehindert vermehren. Wenn die Algen dann absterben, sinkt aufgrund mikrobieller Zersetzungsprozesse der Sauerstoffgehalt im SandKieslücken-System. Bei der Wochen und Monate dauernden Entwicklung der Lachseier in der kiesigen Laichgrube zur Larve reiche aber schon ein Tag mit Sauerstoffmangel, um die Eier absterben zu las-

sen.

Dr. Jörg Schneider führte ferner aus, dass man im Rhein-Hauptstrom bislang zu wenig Augenmerk auf die Zunahme der Welse gerichtet habe. Die riesenhaften Welse würden einen derzeit noch nicht quantifizierbaren Fraßdruck auf rückkehrende Lachse ausüben. An der Garonne, einem französischen Lachsfluss, sei dokumentiert worden, dass 1,60 m große Welse selbst Lachse mit 60 cm Größe locker verspeist hätten.

Mehr Frachtschiffe, weniger Lachse?

Wer es bislang übersehen haben sollte. Den BBU-WASSER-RUNDBRIEF gibt es seit Anfang 2013 auch als digitales pdf-Dokument. Wer von unseren Abonnentlnnen zusätzlich oder statt der Papierfassung künftig die digitale Version des RUNDBRIEFS beziehen will, kann seinen Wunsch einfach via E-Mail an nik@akwasser.de übermitteln. Der Preis bleibt in allen Fällen gleich: 30 Euro pro 30 Ausgaben — egal ob man nur die Papierfassung oder zusätzlich bzw. stattdessen die pdf-Version bezieht.

Auch der Rolle der Schifffahrt - insbesondere der immer größer werdenden Frachtschiffe und deren immer leistungsfähigere Antriebe - müsse mehr Beachtung geschenkt werden. Dr. Jörg Schneider erklärte hierzu, dass vor allem bei Niedrigwasser die

Frachtschifffahrt zunehmend den Lebensraum für Lachse und andere Großfische einengen würde. Bei Niedrigwasser konzentriere sich der Abfluss auf die Schifffahrtsrinne, so dass sich Fische und Schiffe immer näher kommen würden. Damit nehme die Kollisionsgefahr der Pötte mit den Lachsen zu. Untersuchungen aus den USA hätten gezeigt, dass statistisch gesehen - mit jedem Kilometer Fahrstrecke eines Schubverbandes je nach Fischart zwischen 0,5 und 1,5 Großfische letal verletzt worden seien. Die schnell laufenden Schiffsprobeller würden im Rhein u.a. zu Kehlschnitten und Totaldurchtrennungen bei adulten Lachsen, Stören, Zandern und anderen Fischen führen. Der Lachsexperte belegte die Schäden mit wenig erbaulichen Fotos. Ein ausführlicher Tagungsbericht über die 5. Rheinischen Naturschutztage des BUND kann in der Ausgabe 12/2019 der Korrespondenz Wasserwirtschaft nachgelesen werden.

Mikroplastik im Trinkwasser? Eher unwahrscheinlich!

Trotz aller wissenschaftlichen Zurückhaltung lassen NICOLE ZUMBÜLLE ET AL. in ihren Aufsatz „Mikroplastik im Wasserkreislauf" zumindest zwischen den Zeilen erkennen, dass sie der ganzen Aufregung über Mikroplastik im Wasserkreislauf nicht viel abgewinnen können. In der energie-wasser-praxis (ewp) 12/2019, S. 56 - 58, wundern sich die Mitarbeiterlnnen des Karlsruher DVGW-Technologiezentrums Wasser (TZW), dass sich die öffentliche Debatte um Mikroplastik hauptsächlich mit dem Wasserkreislauf befasse, dass das viel bedeutsamere Vorkommen von Mikroplastik in der Atem-(Luft) aber keine Rolle spiele. Dabei sei nachgewiesen worden, „dass Hausstaub zu einem Drittel aus synthetischen Fasern" bestehe. Pro Tag würden zwischen 1.600 und 11.000 Fasern auf einen Quadratmeter des Wohnraums abgelagert. Auf einem Teller würden pro Jahr 14.000 bis 68.000 Mikroplastikpartikel Ianden. Die Autorlnnen stimmen der Weltgesundheitsorganisation zu, dass Mikroplastikpartikel im Trinkwasser nach jetzigem Wissensstand keine Gesundheitsgefahr darstellen würden. Um gleichwohl die WHO-Angaben verifizieren zu können, haben sich die TZW-Mitarbeiterlnnen selbst an die Arbeit gemacht, um ein Nachweisverfahren für Mikroplastikpartikel im (Trink-Wasser zu entwickeln. Das am TZW entwickelte Verfahren basiert auf der RamanMikrospektroskopie. Damit sei ein Nachweis von Partikeln ab einer Größe von 5 Mikrometern möglich. Bei Wasserproben, die absichtlich mit entspre-

Neben der Wüstenbildung und der Versalzung ist die Erosion der dritte wichtige Faktor, der weltweit in immer dramatischerem Ausmaß die landwirtschaftlichen Nutzflächen bedroht. Unsere Materialsammlung "Erosion" bietet zu diesem Thema Literatur- und Recherchehinweise, alle bislang zur Erosionsproblematik erschienenen RUNDBR.Notizen sowie einen über 25 Jahre gehenden ausführlichen Pressespiegel über die Erosion in unseren Breiten, in den USA und in der Dritten Welt. Bezug gegen VOREINSENDUNG von 15 Euro (V-Scheck, Briefm., bar).

BBU-WASSER-RUNDBRIEF Nr. 1154 vom 19. Jan. 2020

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chenden Partikeln dotiert worden waren, zeigte sich bei dem gewählten Nachweisverfahren eine Wiederfindungsrate von 81 Prozent. Bei realen Trinkwasserproben lag die Konzentration von

Der BBU-WASSER-RUNDBRIEF kann abonniert werden durch Voreinzahlung von 30 Euro für 30 Ausgaben auf das Postbankkto. N. Geiler, Arbeitsgruppe Wasser, IBAN: DE 13 6601 0075 0041 9527 57; BIC: PBNK DEFF. Unsere Kommunikationsverbindungen: Mobil: 01605437384, Tel.: 0761/45687153 (AB); E-Mail: nik@akwasser.de;

Internet: www.akwasser.de

Mikroplastikpartikeln erwartungsgemäß unter der Bestimmungsgrenze. Aus hygienischen Gründen sei die Trinkwasseraufbereitung darauf ausgerichtet, eine möglichst geringe Trübung und eine weitgehende Freiheit von kleinen Partikeln zu gewährleisten. Insofern könne man davon ausgehen, dass selbst bei der Anwesenheit von Mikroplastikpartikeln im Rohwasser diese Partikel kaum ins Trinkwasser durchschlagen könnten. Weitere Auskunft zum Nachweisverfahren bei

Dr. Nicole Zumbülte

DVGW-Technologiezentrum Wasser

76139 K a r l s r u h e

E-Mail: nicole.zumbuelte@tzw.de

Weltweite Normung für Analysemethoden von Mikroplastik im Wasser

Es werden immer mehr Berichte über Mikroplastik im Wasser veröffentlicht - von Flüssen bis hin zum Flaschenwasser. Die dabei publizierten Ergebnisse sind allerdings allesamt nicht miteinander vergleichbar, weil bis jetzt jede Forschergruppe andere Verfahren zur Probenahme, zur Probenaufbereitung und zur Analytik sowie zur Angabe der Ergebnisse anwendet (s. RUNDBR. 1085/1-2). Das Chaos bei der Mikroplastik-Analytik soll jetzt endlich harmonisiert werden: Das Technische Komitee 249 im europäischen Normungsverbund CEN (CEN/TC 249) hat am Dezember 2019 beschlossen. ein internationales Normungsprojekt zur Kreierung einer einheitlichen „Method for analysing micro plastics in waters With very Iow contents of suspended solid" zu starten. TC 249 ist zuständig für Normungsverfahren, die mit Plastik zu tun haben. Das Normungsprojekt zur Vereinheitlichung der Analyseverfahren von Mikroplastik in Trinkwasser, Flaschenwasser, Grundwasser und gereinigtem Abwasser hat die Nummer „EN ISO 24542" bekommen. Das bedeutet, dass nach dem sogenannten „Wiener Übereinkommen" zwischen CEN und der internationalen Normungsorganisation (ISO) die „MikroplastikNormung" sowohl auf europäischer Ebene (EN) also auch auf weltweiter Ebene (ISO) verbindlich gemacht werden soll. Der Ak Wasser im BBU ist innerhalb des DIN durch seine Mitarbeit am Normungsausschuss NA 054-01-06 AA („Kunststoffe und Umweltaspekte") u.a. auch an der Diskussion um dieses Normungsprojekt beteiligt.

 

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